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Liebe Freunde, Die Nachbeben in Nepal nehmen weiterhin kein Ende. Heftiger Regen, Stürme, Überflutungen und Erdrutsche setzen den exponierten und seit drei Monaten unter stetigem Stress stehenden Menschen in den letzten Tagen besonders zu. Mehr als 90 Menschen haben durch Erdrutsche und Fluten bislang ihr Leben verloren. Tausende wurden evakuiert. Drei Monate sind seit den Erdbeben am 25.04.15 und 12.05.15 vergangen. 880000 Haushalte wurden komplett bzw. partiell zerstört und 8898 Menschen haben ihr Leben verloren. Nur 50% der Menschen in den 14 betroffenen Distrikten haben bislang Hilfe beim Bau von Notunterkünften erhalten. Aktuelle Daten gehen von 2 Millionen Menschen aus, die ihre ursprüngliche Wohnunterkunft verlassen haben. Viele Menschen in abgelegenen Gebieten, wurden weiterhin nicht von der inter-nationalen Hilfe bzw. den Hilfsmassnahmen der Regierung erreicht, obwohl 1.4 Millionen Menschen dringend Nahrungsmittel benötigen und Datenerhebungen der Regierung den Anstieg von Kindern mit Unterernährung aufzeigen. Ein Million Kinder ist weiterhin ohne Zugang zu Klassenräumen aufgrund der Vielzahl an zerstörten Schulen. Die UN hat bislang nur 50% der 422 Mill. USD erhalten, die sie benötigt. Keines der 14 „Disaster Risk Reduction Committees“ schliesst Dalits (Menschen aus niedrigen Kasten bzw. Kastenlose) mit ein, was die Unterdrückung dieser unterpriviligierten Menschen noch mehr verstärkt. Die Beteiligung von Frauen ist ebenfalls auf einem sehr niedrigen Niveau. Erschreckend, dass derartige Grundsätze, die wir seit Jahren in den Gemeindeprojekten umsetzen, noch immer kaum Berücksichtigung erfahren. Wir haben in den Zeiten des Bürgerkriegs während der Arbeit in Westnepal oft -angesichts vieler erschütternder Einzelschicksale- versucht, die Situation von Frauen in diesen abgelegenen Gebieten zu reflektieren, insbesondere wenn sie kastenlos sind und ohne jegliche rechtliche Grundlage leben. Wie führen sie wohl jetzt ihr Dasein, in dem sie 16 h/ Tag für 4-5 Kinder zuständig sind, ohne Dach über dem Kopf und Zugang zu Hilfeleistungen, inmitten von Stürmen und Erdrutschen, aber auch Menschen-händlern die an vielen Orten im Land die Notsituation ausnutzen? 24% der Menschen haben keine Staatsbürgerschaft in den 14 betroffenen Distrikten, was riesige Schwierigkeiten bezüglich des Zugangs zu Hilfeleistungen der Regierung und Landrechten mit sich bringt. Auch hier sind Frauen, niedrige Kasten und ethnische Minoritäten am meisten betroffen. Inmitten dieser Umstände – oftmals mit eigener / familiärer Betroffenheit – arbeiten die Angestellten und Vereinsmitglieder in Nepal für die Menschen in unseren Projekten, und wachsen hierbei über sich hinaus. Unser Wiederaufbauteam hat 3000 Haushalte in den Distrikten Lalitpur und Makwanpur über die laufende Monsunhilfe umfassend informiert. In den Nothilfezentren findet ein regelmässiger Austausch (Monsunhilfe und Wiederaufbau der Häuser) sowie Aktivitäten mit der Bevölkerung statt. 35 Personen konnten in Lalitpur im Bereich Wasser, Saintärwesen und Hygiene geschult werden, was angesichts der Sanitäranlagen und hygienischen Herausforderungen dringend notwendig ist. In den Modellhäusern in den Gemeinden sowie denen die für Familien wieder aufgebaut werden, sind ökologische Toiletten und hygienische Sanitär-anlagen ein wichtiger Grundbestandteil. Mehr als 300 Patienten wurden in Makwanpur bereits in enger Kooperation der Angestellten unserer Jugendorganisation SDA und dem Wiederaufbauprojekt behandelt bzw. 150 Schülerinnen in fünf Schulen untersucht. Zudem konnten fünf temporäre Lernsysteme für zerstörte Schulen errichtet werden. 39 Notunterkünfte wurden erbaut bzw. verbessert und 240 KG Nahrungsmittel wurden verteilt. Im bergigen Terrain Makwanpurs sind in fünf verschiedenen Schulen weitere Notlager mit Hilfsgütern eingerichtet. Sie werden von Sozialarbeitern verwaltet. Es ist wichtig, dass die Menschen auch in Zeiten in denen die Region – wie seit vorgestern – komplett von der Aussenwelt abgeschnitten ist, Zugang zu unseren Hilfeleistungen haben. Mehr als 130 Menschen aus den Projektdistrikten, haben wir in den letzten Wochen gezielt (nebst Datenerhebungen zum Hausbau) befragt. Hierbei drückten sie ihre Dankbarkeit über die direkte und präventiv geplanten humanitäre Unterstützung aus. In einem professionellen und umfassenden Rating haben wir aus fünf Bewerbern Architekturfirmen für den Wiederaufbau der Häuser in beiden Projektdistrikten ausgewählt. Die zwei Bestplatzierten haben ihre Daten nun im Feld verifiziert und werden in den nächsten Tagen präzisierte Bau-, Kosten,- und Supervisionspläne einreichen. Die Modellhäuser werden anhand der Bedürfnisse der Bevölkerung, mit nepalesischen Ingenieuren und einem Expertenteam von Govinda entwickelt, dass bereits über langjährige Bauerfahrung in Nepal verfügt. Sichere Öfen, Erdbebensicherheit, der Einbezug lokaler Ressourcen und ökologische Toiletten sind wichtige Komponenten der Modellhäuser. Durch die in den Verteil- und Beratungszentren angebotenen Schulungen, die noch vor dem Ende der Monsunzeit stattfinden werden, sowie die Entwicklung von Modelhäusern erwarten wir einen grossen Multiplikatoren Effekt. Die nepalesische Regierung hat viele Aufgaben in diesen schweren Tagen und in der Ausarbeitung von Richtlinien und Prototypen für erdbebensichere Häuser, sowie Hilfeleistungen angesichts der Umstände einiges geleistet. Leider erschweren intransparente Prozesse, fehlende Koordination, Richtlinien und Zeitangaben zum Wiederaufbau die direkte und unbürokratische Arbeit der Hilfsorganisationen. Wir sind mit einer Reihe von Organisationen vernetzt, die ebenfalls den Wiederaufbau dringend benötigter Schulen zum Ziel haben und seit Wochen ausharren um endlich tätig werden zu können. Auch wir haben neben dem erfolgten Aufbau temporärer Schulunterkünfte, den Wiederaufbau von drei zerstörten Schulen mit unserer Jugendorganisation SDA in Makwanpur vorbereitet. Den Menschen Nepals stehen wir weiterhin inmitten der Vielzahl an unsicheren Faktoren so unbürokratisch, direkt, offen, stabilisierend und differenziert wie es uns möglich ist zur Seite. Ihnen allen danken wird dafür, dass dies seit mehr als drei Monaten in Form der umfassenden Soforthilfe und des Wiederaufbauprojektes möglich ist. Ein grosser Dank an die Teams in den Fachbereichen und Aktionskreisen, die seit Monaten Aktionen für Nepal aktiv umsetzen. Vielen Dank zudem bereits an Alle , die uns beim diesjährigen Summerbreeze Festival wieder an langen Tagen tatkräftig für Nepal unterstützen werden. http://www.summer-breeze.de/de/start.html Namaste. Leben Heisst Handeln A.Camus

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