31. Mai / Wie lange noch?

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+ Tag 36: Wie lange noch ? +

Wie anfangen zu schreiben, an einem Tag, wo wir ein weiteres Mal die Hoffnung hatten, dass für die Menschen, unsere Teams in Nepal und die Krisenteams in D/CH wenigstens für einen einzigen Tag Ruhe einkehrt. Nur ein einziger Tag der ein Durchatmen zulässt, der ein sich selbst ordnen nach 5 Wochen mal erlaubt, der einem selbst – wenn auch nur für Momente- ein Scheingefühl von etwas gibt, dass wir so oft im Alltag nicht schätzen/ wahrnehmen: sich sicher und geborgen fühlen.
Sicherheit, was ist das angesichts eines vibrierenden Bodens unter den Füssen, einer Erde die schon mehr als dreihundert Mal seit dem 25.04 bebte. 6 registrierte Nachbeben allein an jedem der letzten 2 Tage. Heute Nachmittag wurde das Hoffen auf den ersten erdbebenfreien Tag zerstört. In die täglichen Gespräche der Krisenstäbe mit Nepal hinein kamen zwei weitere spürbare Nachbeben, dass Menschen aus den Häusern rennen lies und beunruhigte. Die Dauer der Naturkatastrophe, inmitten der die Menschen und Notfallteams sind und ihre Intensität sucht ihresgleichen. Damit nicht genug, mit jedem Tag verringert sich die Chance eines nachbebenfreien Tages, vor dem in Kürze eintreffenden Monsun. Er wird bis Mitte September eine Reihe weiterer Probleme mit sich bringen und kann die instabile Situation weiter verschärfen. Stürme die noch stärker auf die Menschen in den dürftigen Notbehausungen einwirken als die letzten Tage schon, Erdrutsche, blockierte Strassen, die Gefahr von Epidemien, Engpässe in der Versorgung mit Nahrungs- und Wiederaufbaumitteln. Die Situation am Mietmarkt ist dramatisch. Schamlos wird mit drastisch steigenden Mietpreisen die Situation ausgenutzt, dass viele internationale Spezialisten ein Heim suchen. Es wird nicht davor halt gemacht Familien die bereits in Miete leben zeitnah zu kündigen. Die Suche nach neuen Wohnungen endet in einem Wettbieten.
Ein Funding von 24% der von der UN geforderten 423 Millionen USD an internationalen Hilfsgeldern ist eine weitere traurige, erschütternde und inakzeptable Bilanz nach 5 Wochen. Nebst dem sinkenden Interesse der Medien verlassen einige Hilfsteams bereits das Land.

Satelliten der Esa zeigen auf wie stark die Kräfte und gleichsam Gefahren in Nepal wirken. So hat sich der Boden im Norden von Kathmandu um bis zu zwei Meter gehoben. Die Höheren Berge im Norden sind um dutzende Zentimer gesunken. Es gibt Ortschaften die um fünf Meter verrutscht sind, das ganze Land um mehr als drei Meter.Was hält ein Mensch unter diesen Bedingungen aus, auch wenn er Unsicherheiten seit der Geburt in viel grösserem Masse erfahren hat, als es sich die westliche Welt in der die stetige Absicherung im Vordergrund steht wohl jeh vorstellen kann. Wann endlich sinkt die Intensität dessen, was den Menschen Nepals auferlegt wird?

Ein Grossteil unseres Wiederaufbauteams war die letzten drei Tage in Südnepal im Distrikt Makwanpur um für die Nothilfe in Phase 2 konkrete Schritte vorzubereiten und für den Wiederaufbau noch konkreter Daten zu erheben, da hier ein Teil der insgesamt 300 zerstörten Häuser in beiden Projektgebieten lokalisiert ist. Geeignete Plätze für die Nothilfezentren in Phase 2, in denen wir die Unterstützung fokussierter als in den ersten 4 Wochen gestalten werden, wurden überprüft. Die Reise war schon jetzt, kurz vor dem Monsun beschwerlich, da die Strasse an einigen Stellen nicht mehr passierbar war und der Bus bei den Flussdurchfahrten bis in die Kabine hinein geflutet wurde. Das am Abend stattfindende Nachbeben lag mit seinem Epizentrum auf diesem Weg, nahe an der Projektregion der Jugendorganisation.

Im Waisenhaus schlafen die Kinder weiter in der Notunterkunft. Wir arbeiten intensiviert an einem Ausbau der Notunterkunft in eine witterungsbeständige, dauerhafte und erdbebensichere Variante. Der Zeitraum des Wartens und das Eintreffen des Monsuns, bedingt wie vieles seit Wochen eine weitere flexible und absichernde Lösung. Wie vor einigen Tagen geschrieben liebe Leserinnen ist es weiterhin ein weiter Weg den wir gehen müssen und werden. Danke für Eure bisherige Unterstützung in der Soforthilfe. Wir werden den Menschen Nepals inmitten dieser Umstände weiterhin verlässlich, umfassend und flexibel zur Seite stehen.

Namaste.

21. Mai / Nachbeben und Umbrüche

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+ Tag 26: Nachbeben und Umbrüche +

Ein Nachbeben der Stärke 4, dass in unmittelbarer Nähe südlich von Kathmandu lokalisiert war, riss gestern die Kinder und das Team ein weiteres Mal aus dem stetigen Versuch heraus, endlich Normalität einkehren lassen zu können. Allein heute wurden wieder 4 Nachbeben registriert und es fühlt sich unendlich an bis die Kollision der eurasischen und indischen Platte den Menschen in Nepal endlich eine Atem- pause gönnt. Barbara und Frauke, die uns sehr fehlen werden und die bereits ihre Zeit in Nepal verlängerten, reisen nun aus dem Waisenhaus ab. Sie haben überwältigende Arbeit geleistet und uns geholfen die Projekte in der schwierigen Zeit zu stabilisieren, Abläufe in der Betreuung der Kinder zu optimieren, Herzblut eingebracht und auf den Hilfslieferungen im ganzen Land teil- genommen. Ihr fehlt uns schon jetzt. Danke für all das was ihr geleistet habt.
Die Schule geht voraussichtlich am 01.06. los. Das Lehrerteam der Shangrila International School steht vor grossen Herausforder-ungen, um den nationalen Bildungsplan in einem Land zu erfüllen, in dem 950000 Kinder ohne Schuldach über dem Kopf einer ungewissen Schulsaison entgegenblicken. Auch in der Region Chapagaon sind viele Schulen dem Erdbeben zum Opfer gefallen und regionale Planungsmeetings fanden statt. Es sind äusserst schwierige Bedingungen vorhanden, um das Millenium Development Goal „Universal Primary Education“ zu erfüllen.

Die Notfallteams haben ein weiteres Mal hervorragende Arbeit für die notleidende Bevölkerung geleistet. Das erste Team hat trotz Erdrutschen und unpassierbaren Strassen in Sindhupalchock (Chautara) 182 Familien unterstützt. Das zweite Team fuhr nach Dolakha (Sunkhani). Nach achtstündiger Anfahrt konnten 140 Haushalte unterstützt werden. Die Region Dhading (Aaginchok) wurde bereits das dritte Mal durch ein drittes Team unterstützt. Nach achtstündiger Anfahrt konnten wir an Menschen aus 50 Haushalte Planen, Seilen und Decken übergeben. In Ramechhap (Gimbdi) war ein viertes Team der Jugendorganisation SDA zwei Tage lang unterwegs. 129 Haushalte erhielten erstmals Unterstüt-zung seit dem Erdbeben am 25.04.15. Auch in Gutikhel -9 (Sisawan) wurden 141 Haushalte der Tamang Familien umfang- reich unterstützt. Insgesamt wurden 642 Zelte, 546 Decken, 45 Säcke Reis, 496 Packungen Milchpulver und 2.6 Tonnen weiterer Nahrungsmittel an 642 Haushalte verteilt.

Das Team des Shangrila Reconstruction Development Projekts arbeitet intensiv Strukturen für den Wiederaufbau aus. Neben vielen anderen Arbeiten werden professionelle Assessments in den Projektregionen vorgenommen in denen das Projekt startet. Dies ist nötig um die Unterstützungsstrukturen koordiniert, effizient und nah an den Bedürfnissen der Menschen zu gestalten, und um inmitten instabiler Verhältnisse auch weiterhin flexibel und zügig handeln zu können.

14. Mai / Vergangenheit und Zukunft

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++ Tag 19: Vergangenheit und Zukunft ++
Gerade sitzen wir, wie es seit vielen Jahren Tradition ist, im hintern, sicheren Teil des Waisenhausareals. Die Kindergesichter werden vom Lagerfeuer beleuchtet und manche tanzen um das Feuer. Roman, der unser Team seit dem dritten Tag des ersten Erdbebens in Nepal unglaublich stark unterstützt und koordinierte, spielt seine typische Nepalibluesmischung auf der Gitarre, die alle fröhlich mitsingen. Erste Minuten befreiten Lachens, erste Anzeichen von Freude und viel Dankbarkeit die zum Ausdruck kommt. Wichtig dies wahrnehmen zu können nach weiteren zwei Nächten in Zelten nach dem zweiten Erdbeben. Schön den Zusammenhalt zu spüren, den die Menschen hier und an vielen Orten im ganzen Land entwickelt haben.

Erleichtert stellen wir fest, dass keines unserer Schulkinder, nach jetzigem Stand der Erfassung, sein Leben verloren hat. Leider ist die Zahl der zerstörten Häuser ihrer Familien weiterhin gestiegen. Von 232 Häusern sind nur 58 in gutem Zustand. Das gleiche Bild zeigt sich im Distrikt Makwanpur, in dem unsere Jugendorganisation tätig ist.

Das Notfallteam hat weiterhin inmitten der instabilen Situation hervorragende Arbeit geleistet. Insgesamt wurde Soforthilfe in 10 der 12 am meisten betroffenen Distrikte für mehr als 5000 Familien in 29 Dörfern geleistet. Gestern waren wir ein weiteres mal nach der ersten Hilfslieferung in Sindhupalchok und konnten 500 Familien Nahrung und Zelte bringen. Die Menschen des Distriktes wurden durch das zweite Erdbeben ein weiteres Mal schwer erschüttert. Bei der gestrigen Lieferung fokussierten wir wieder ein Dorf, das keinerlei internationale Hilfeleistung erhalten hatte. Erschreckend, dass wir in einem der am schwersten betroffenen Distrikte den ganzen Tag kein einziges Fahrzeug von Hilfsorganisationen auf den leeren Strassen angetroffen haben. Wir verteilten 116 Zelte, 2.9 Tonnen Reis, 242 KG Linsen, 580 KG Beaten Rice, 232 Liter ÖL sowie Salz und weitere Nahrungsmittel. Hierdurch haben die Familien eine grundlegende erste Unterkunft, Nahrungsmittel für 15 Tage und eine wichtige Entlastung vor der bevorstehenden und langen Monsunzeit, in der neue Herausforderungen auf Nepal zukommen. Spannend war der Austausch mit unserer hier koope-Zukrierenden NGO Shakti Samuha, die Frauen vor der Prostitution aktiv rettet und Rückkehrerinnen unterstützt.

Intensiviert und parallel zur weiterhin laufenden Soforthilfe wurde das gemeinsame Wiederaufbauprojekt mit den involvierten Notfallteams aus vier Ländern (Shangrila Orphanage/ Shangrila Development Assocation/ Govinda-Deutschland/ Stiftung Usthi- Schweiz und Shangrila – Schweiz) in einer ersten Struktur entwickelt. Die nächsten Tage werden von intensiven Ausarbeitungen geprägt sein, insofern es die Erde zulässt. Wir werden die Projektschwerpunkte des gemeinsamen Kooperationsprojektes „Shangrila Reconstruction and Development Project“ laufend an die Entwicklungen in Nepal anpassen, um den seit 20 Tagen unter stetiger Ungewissheit lebenden Menschen Nepals effektive, adäquate und grösstmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.

Wir sind dankbar dafür, dass wir in Zusammenarbeit mit der Stiftung Usthi hinsichtlich der Soforthilfe & dem Wiederaufbau echtes Networking und eine derart vertrauensvolle Zusammenarbeit erleben dürfen. Sie ist von jahrelangem Vertrauen, Transparenz und vielen gemeinsamen Ansätzen geprägt.