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+ Tag 36: Wie lange noch ? +

Wie anfangen zu schreiben, an einem Tag, wo wir ein weiteres Mal die Hoffnung hatten, dass für die Menschen, unsere Teams in Nepal und die Krisenteams in D/CH wenigstens für einen einzigen Tag Ruhe einkehrt. Nur ein einziger Tag der ein Durchatmen zulässt, der ein sich selbst ordnen nach 5 Wochen mal erlaubt, der einem selbst – wenn auch nur für Momente- ein Scheingefühl von etwas gibt, dass wir so oft im Alltag nicht schätzen/ wahrnehmen: sich sicher und geborgen fühlen.
Sicherheit, was ist das angesichts eines vibrierenden Bodens unter den Füssen, einer Erde die schon mehr als dreihundert Mal seit dem 25.04 bebte. 6 registrierte Nachbeben allein an jedem der letzten 2 Tage. Heute Nachmittag wurde das Hoffen auf den ersten erdbebenfreien Tag zerstört. In die täglichen Gespräche der Krisenstäbe mit Nepal hinein kamen zwei weitere spürbare Nachbeben, dass Menschen aus den Häusern rennen lies und beunruhigte. Die Dauer der Naturkatastrophe, inmitten der die Menschen und Notfallteams sind und ihre Intensität sucht ihresgleichen. Damit nicht genug, mit jedem Tag verringert sich die Chance eines nachbebenfreien Tages, vor dem in Kürze eintreffenden Monsun. Er wird bis Mitte September eine Reihe weiterer Probleme mit sich bringen und kann die instabile Situation weiter verschärfen. Stürme die noch stärker auf die Menschen in den dürftigen Notbehausungen einwirken als die letzten Tage schon, Erdrutsche, blockierte Strassen, die Gefahr von Epidemien, Engpässe in der Versorgung mit Nahrungs- und Wiederaufbaumitteln. Die Situation am Mietmarkt ist dramatisch. Schamlos wird mit drastisch steigenden Mietpreisen die Situation ausgenutzt, dass viele internationale Spezialisten ein Heim suchen. Es wird nicht davor halt gemacht Familien die bereits in Miete leben zeitnah zu kündigen. Die Suche nach neuen Wohnungen endet in einem Wettbieten.
Ein Funding von 24% der von der UN geforderten 423 Millionen USD an internationalen Hilfsgeldern ist eine weitere traurige, erschütternde und inakzeptable Bilanz nach 5 Wochen. Nebst dem sinkenden Interesse der Medien verlassen einige Hilfsteams bereits das Land.

Satelliten der Esa zeigen auf wie stark die Kräfte und gleichsam Gefahren in Nepal wirken. So hat sich der Boden im Norden von Kathmandu um bis zu zwei Meter gehoben. Die Höheren Berge im Norden sind um dutzende Zentimer gesunken. Es gibt Ortschaften die um fünf Meter verrutscht sind, das ganze Land um mehr als drei Meter.Was hält ein Mensch unter diesen Bedingungen aus, auch wenn er Unsicherheiten seit der Geburt in viel grösserem Masse erfahren hat, als es sich die westliche Welt in der die stetige Absicherung im Vordergrund steht wohl jeh vorstellen kann. Wann endlich sinkt die Intensität dessen, was den Menschen Nepals auferlegt wird?

Ein Grossteil unseres Wiederaufbauteams war die letzten drei Tage in Südnepal im Distrikt Makwanpur um für die Nothilfe in Phase 2 konkrete Schritte vorzubereiten und für den Wiederaufbau noch konkreter Daten zu erheben, da hier ein Teil der insgesamt 300 zerstörten Häuser in beiden Projektgebieten lokalisiert ist. Geeignete Plätze für die Nothilfezentren in Phase 2, in denen wir die Unterstützung fokussierter als in den ersten 4 Wochen gestalten werden, wurden überprüft. Die Reise war schon jetzt, kurz vor dem Monsun beschwerlich, da die Strasse an einigen Stellen nicht mehr passierbar war und der Bus bei den Flussdurchfahrten bis in die Kabine hinein geflutet wurde. Das am Abend stattfindende Nachbeben lag mit seinem Epizentrum auf diesem Weg, nahe an der Projektregion der Jugendorganisation.

Im Waisenhaus schlafen die Kinder weiter in der Notunterkunft. Wir arbeiten intensiviert an einem Ausbau der Notunterkunft in eine witterungsbeständige, dauerhafte und erdbebensichere Variante. Der Zeitraum des Wartens und das Eintreffen des Monsuns, bedingt wie vieles seit Wochen eine weitere flexible und absichernde Lösung. Wie vor einigen Tagen geschrieben liebe Leserinnen ist es weiterhin ein weiter Weg den wir gehen müssen und werden. Danke für Eure bisherige Unterstützung in der Soforthilfe. Wir werden den Menschen Nepals inmitten dieser Umstände weiterhin verlässlich, umfassend und flexibel zur Seite stehen.

Namaste.

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