2. August 2015 / Tag 98 / Erdrutsche, Überflutungen und Nachbeben

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Liebe Freunde, Die Nachbeben in Nepal nehmen weiterhin kein Ende. Heftiger Regen, Stürme, Überflutungen und Erdrutsche setzen den exponierten und seit drei Monaten unter stetigem Stress stehenden Menschen in den letzten Tagen besonders zu. Mehr als 90 Menschen haben durch Erdrutsche und Fluten bislang ihr Leben verloren. Tausende wurden evakuiert. Drei Monate sind seit den Erdbeben am 25.04.15 und 12.05.15 vergangen. 880000 Haushalte wurden komplett bzw. partiell zerstört und 8898 Menschen haben ihr Leben verloren. Nur 50% der Menschen in den 14 betroffenen Distrikten haben bislang Hilfe beim Bau von Notunterkünften erhalten. Aktuelle Daten gehen von 2 Millionen Menschen aus, die ihre ursprüngliche Wohnunterkunft verlassen haben. Viele Menschen in abgelegenen Gebieten, wurden weiterhin nicht von der inter-nationalen Hilfe bzw. den Hilfsmassnahmen der Regierung erreicht, obwohl 1.4 Millionen Menschen dringend Nahrungsmittel benötigen und Datenerhebungen der Regierung den Anstieg von Kindern mit Unterernährung aufzeigen. Ein Million Kinder ist weiterhin ohne Zugang zu Klassenräumen aufgrund der Vielzahl an zerstörten Schulen. Die UN hat bislang nur 50% der 422 Mill. USD erhalten, die sie benötigt. Keines der 14 „Disaster Risk Reduction Committees“ schliesst Dalits (Menschen aus niedrigen Kasten bzw. Kastenlose) mit ein, was die Unterdrückung dieser unterpriviligierten Menschen noch mehr verstärkt. Die Beteiligung von Frauen ist ebenfalls auf einem sehr niedrigen Niveau. Erschreckend, dass derartige Grundsätze, die wir seit Jahren in den Gemeindeprojekten umsetzen, noch immer kaum Berücksichtigung erfahren. Wir haben in den Zeiten des Bürgerkriegs während der Arbeit in Westnepal oft -angesichts vieler erschütternder Einzelschicksale- versucht, die Situation von Frauen in diesen abgelegenen Gebieten zu reflektieren, insbesondere wenn sie kastenlos sind und ohne jegliche rechtliche Grundlage leben. Wie führen sie wohl jetzt ihr Dasein, in dem sie 16 h/ Tag für 4-5 Kinder zuständig sind, ohne Dach über dem Kopf und Zugang zu Hilfeleistungen, inmitten von Stürmen und Erdrutschen, aber auch Menschen-händlern die an vielen Orten im Land die Notsituation ausnutzen? 24% der Menschen haben keine Staatsbürgerschaft in den 14 betroffenen Distrikten, was riesige Schwierigkeiten bezüglich des Zugangs zu Hilfeleistungen der Regierung und Landrechten mit sich bringt. Auch hier sind Frauen, niedrige Kasten und ethnische Minoritäten am meisten betroffen. Inmitten dieser Umstände – oftmals mit eigener / familiärer Betroffenheit – arbeiten die Angestellten und Vereinsmitglieder in Nepal für die Menschen in unseren Projekten, und wachsen hierbei über sich hinaus. Unser Wiederaufbauteam hat 3000 Haushalte in den Distrikten Lalitpur und Makwanpur über die laufende Monsunhilfe umfassend informiert. In den Nothilfezentren findet ein regelmässiger Austausch (Monsunhilfe und Wiederaufbau der Häuser) sowie Aktivitäten mit der Bevölkerung statt. 35 Personen konnten in Lalitpur im Bereich Wasser, Saintärwesen und Hygiene geschult werden, was angesichts der Sanitäranlagen und hygienischen Herausforderungen dringend notwendig ist. In den Modellhäusern in den Gemeinden sowie denen die für Familien wieder aufgebaut werden, sind ökologische Toiletten und hygienische Sanitär-anlagen ein wichtiger Grundbestandteil. Mehr als 300 Patienten wurden in Makwanpur bereits in enger Kooperation der Angestellten unserer Jugendorganisation SDA und dem Wiederaufbauprojekt behandelt bzw. 150 Schülerinnen in fünf Schulen untersucht. Zudem konnten fünf temporäre Lernsysteme für zerstörte Schulen errichtet werden. 39 Notunterkünfte wurden erbaut bzw. verbessert und 240 KG Nahrungsmittel wurden verteilt. Im bergigen Terrain Makwanpurs sind in fünf verschiedenen Schulen weitere Notlager mit Hilfsgütern eingerichtet. Sie werden von Sozialarbeitern verwaltet. Es ist wichtig, dass die Menschen auch in Zeiten in denen die Region – wie seit vorgestern – komplett von der Aussenwelt abgeschnitten ist, Zugang zu unseren Hilfeleistungen haben. Mehr als 130 Menschen aus den Projektdistrikten, haben wir in den letzten Wochen gezielt (nebst Datenerhebungen zum Hausbau) befragt. Hierbei drückten sie ihre Dankbarkeit über die direkte und präventiv geplanten humanitäre Unterstützung aus. In einem professionellen und umfassenden Rating haben wir aus fünf Bewerbern Architekturfirmen für den Wiederaufbau der Häuser in beiden Projektdistrikten ausgewählt. Die zwei Bestplatzierten haben ihre Daten nun im Feld verifiziert und werden in den nächsten Tagen präzisierte Bau-, Kosten,- und Supervisionspläne einreichen. Die Modellhäuser werden anhand der Bedürfnisse der Bevölkerung, mit nepalesischen Ingenieuren und einem Expertenteam von Govinda entwickelt, dass bereits über langjährige Bauerfahrung in Nepal verfügt. Sichere Öfen, Erdbebensicherheit, der Einbezug lokaler Ressourcen und ökologische Toiletten sind wichtige Komponenten der Modellhäuser. Durch die in den Verteil- und Beratungszentren angebotenen Schulungen, die noch vor dem Ende der Monsunzeit stattfinden werden, sowie die Entwicklung von Modelhäusern erwarten wir einen grossen Multiplikatoren Effekt. Die nepalesische Regierung hat viele Aufgaben in diesen schweren Tagen und in der Ausarbeitung von Richtlinien und Prototypen für erdbebensichere Häuser, sowie Hilfeleistungen angesichts der Umstände einiges geleistet. Leider erschweren intransparente Prozesse, fehlende Koordination, Richtlinien und Zeitangaben zum Wiederaufbau die direkte und unbürokratische Arbeit der Hilfsorganisationen. Wir sind mit einer Reihe von Organisationen vernetzt, die ebenfalls den Wiederaufbau dringend benötigter Schulen zum Ziel haben und seit Wochen ausharren um endlich tätig werden zu können. Auch wir haben neben dem erfolgten Aufbau temporärer Schulunterkünfte, den Wiederaufbau von drei zerstörten Schulen mit unserer Jugendorganisation SDA in Makwanpur vorbereitet. Den Menschen Nepals stehen wir weiterhin inmitten der Vielzahl an unsicheren Faktoren so unbürokratisch, direkt, offen, stabilisierend und differenziert wie es uns möglich ist zur Seite. Ihnen allen danken wird dafür, dass dies seit mehr als drei Monaten in Form der umfassenden Soforthilfe und des Wiederaufbauprojektes möglich ist. Ein grosser Dank an die Teams in den Fachbereichen und Aktionskreisen, die seit Monaten Aktionen für Nepal aktiv umsetzen. Vielen Dank zudem bereits an Alle , die uns beim diesjährigen Summerbreeze Festival wieder an langen Tagen tatkräftig für Nepal unterstützen werden. http://www.summer-breeze.de/de/start.html Namaste. Leben Heisst Handeln A.Camus

9. Juli / Jeden Tag Nachbeben

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Leider finden weiterhin stetig Nachbeben in Nepal statt, die die Menschen auch nach 75 Tagen nicht zur Ruhe kommen lassen. Hinzu kommen starke Regenfälle und hieraus resultierende Versorgungs-engpässe . Nach Angaben der UN benö-tigen 2.8 Millionen Menschen weiterhin humanitäre Unter-stützung. Die Anzahl zerstörter Häuser wurde auf 600000 nach oben korrigiert. Weitere 280000 wurden stark beschädigt. 1 Million Menschen benötigen Nahrungsmittel, und 900000 Unterstützung mit Wasser- und Sanitärsystemen. 2,000 Gemeinden sind von Wasserfiltrationssystemen der humanitären Hilfe abhängig. Die UN weisst auf darauf hin, dass de Fokus der Hilfe noch stärker als bereits zuvor auf der logis-tischen Unterstützung während des Monsuns liegt. Zudem werden temporäre Lern- systeme für 370000 Kinder benötigt, wie wir sie mit unserer Jugendorganisation Shangrila Deve- lopment Association für vier zerstörte Schulen bereits aufbauen konnten.

Das Wiederaufbauprojekt SRDP , in Zusammenarbeit mit unseren nepalesischen Partnerorganisa-tionen und der Stiftung Usthi/ Schweiz beinhaltet die Monsunnot-hilfe für 1400 Haushalte in in den Distrikten Lalitpur und Makwanpur. Die Menschen haben in Notlagen während der dreimonatigen Monsunzeit 24H/d Zugang zu Hilfs-gütern (Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Babynahrung, Materialien für verbes-serte temporäre Unterkünfte). Sie werden unterstützt, ihre bisherigen Notunterkünf-te zu stabilen, temporären Unterkünften umzubauen. Zudem werden sanitäre Anla-gen, die Trinkwasserversorgung und mittels Trainings ein hygienisches Grundwis-sen sichergestellt.

Noch während der Monsunzeit sollen 160 Familien im Aufbau von erdbebensich-eren Häusern praxisnah geschult werden. All dies passiert über Verteil- und Beratungszentren, die in Kalikatar (Makwanpur) und Chhampi (Lalitpur) erstellt wurden. Sie werden von einem neu aufgestellten Projektteam mit mehr als zehn Mitarbeitern sowie durch Sozialarbeiterim Feld betreut. Von hier kann das Team rasch auf Notlagen, wie Nahrungsmittel-­‐und andere Versorgungsengpässe, Epidemien, weitere Erdbeben und Erdrutsche reagieren. Notschlafplätze bieten obdachlosen Familien kurzfristigen Unterschlupf.

Das Wiederaufbauprojektsieht den Aufbau von 160 Häusern in Lalitpur und Mak-wanpur mit der geschulten Bevölkerung ab dem Ende der Regenzeit vor. Die Häu-ser werden mit der Bevölkerung, nepalesischen Ingenieuren und einem Experten-team von Govinda entwickelt, das bereits über langjährige Bauerfahrung in Nepal verfügt. Sichere Öfen, Erdbebensicherheit, der Einbezug lokaler Ressourcen und ökologische Toiletten mit Nebeneffekten für die Landwirtschaft sind wichtige Komponenten.

Weitere Informationen zum Wiederaufbauprojekt:
waisenkind.ch/_hp2/index.php?nr=G1.3

Zudem bauen Govinda und Shangrila vier zerstörte Schulen, in der abgeschiedenen Region Bharta/ Kalikatar begleitend zum dort laufenden Schulprojekt für 500 Schüler, wieder auf.
11 Angestellte und Jugendliche, die ihre Häuser verlorenhaben, werden seit den ersten Tagen im Rahmen der Nothilfe umfassend unterstützt. Sie erhalten ebenfalls ein neues Haus.

Vielen Dank für Eure Unterstützung, die all dies ermöglicht.

2. Juli / Wiederaufbauhilfe in Nepal durch Govinda

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Govinda Entwicklungshilfe e.V. will 171 Häuser und 4 Schulen in Nepal nach erfolgreicher Soforthilfe für 36000 Menschen aufbauen.
Unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal vom 25. April starteten Govinda und Shangrila in Zusammenarbeit mit ihren langjährigen nepalesischen Partnerorganisationen und der Stiftung Usthi/ Schweiz umfangreiche Soforthilfemassnahmen in den am meisten betroffenen Gebieten. Die zwei Erdbeben vom 25.04.15 und 12.05 forderten mehr als 8800 Todesopfer. 2.8 Millionen Menschen benötigen dringend Hilfe. 500000 von ihnen sind obdachlos. Die internationale Hilfe läuft schleppend an, so dass es in allen Bereichen an finanziellen Mitteln mangelt. Durch mehr als 3000 Nachbeben wurde den Menschen die kurze Zeitspanne vor dem mehrmonatigen Monsun genommen. Heftige Regenfälle erschweren die angespannte Situation. Erdrutsche, Nachbeben, die Zerstörung der Notunterkünfte und Notstände in der Grundversorgung der Menschen und Menschenhandel sind tägliche Realität und Epidemien zu befürchten.

Bereits seit dem 2 Tag besteht eine Notunterkunft für die Kinder des Waisenhauses. Systematische Erfassungen der Gesundheit und Schäden bei Angestellten, Jugendlichen, Schulpatenkindern (über 500 Personen) und in der Projektregion der Jugendorganisation SDA fanden parallel statt. Bislang konnten Govinda und Shangrila notleidende Menschen mit mehr als 55 Tonnen nepalesischen und indischen Hilfsgütern unterstützen. In 126 Dörfern und in 11 der 12 am stärksten betroffenen Gebiete, wurden 36414 Menschen unterstützt. Wir konnten diese direkte und zeitnahe Soforthilfe für die Menschen in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Usthi umsetzen, mit der wir einen Hilfskonvoi aus Kolkata/ Indien finanzierten.

„Noch während der Nothilfephase entschlossen wir uns, ein gemeinsames Wiederaufbauprojekt für zwei Projektdistrikte auszuarbeiten. Die Zielgruppe im Distrikt Lalitpur sind 100 Familien der Shangrila International Schule, die wir 2002 erbaut haben und seitdem unterstützen. Es handelt sich um die ärmsten Familien der umliegenden Dörfer, die aufgrund von wirtschaftlichen und sozialen Kriterien in öffentlich transparenten Verfahren ausgewählt wurden und deren Kinder von Govinda mit unserem umfassenden Schulpatenschaftsprogramm (SSP) versorgt werden. Die Zielgruppe in Makwanpur sind 60 Familien in der Region Bharta/ Kalikatar, in der wir mit unserer Jugendorganisation Shangrila Development Association umfangreiche Gemeindeprojekte umsetzen. 85 Prozent der hier lebenden Chepang Bevölkerung sind Analphabeten,“ berichtet Rocco Umbescheidt (Vorstandsvorsitzender)
Das mittelfristige Hilfsprojekt beinhaltet die Monsunnothilfe für 1400 Haushalte in beiden Distrikten. Sie haben in Notlagen während der dreimonatigen Monsunzeit 24H/Tag Zugang zu Hilfsgütern (Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Babynahrung, Materialien für verbesserte temporäre Unterkünfte). Die Menschen werden unterstützt, ihre bisherigen Notunterkünfte zu stabilen, temporären Unterkünften umzubauen. Zudem werden sanitäre Anlagen, die Trinkwasserversorgung und mittels Trainings ein hygienisches Grundwissen sichergestellt. Noch während der Monsunzeit werden 160 Familien im Aufbau von erdbebensicheren Häusern praxisnah geschult. All dies passiert über Verteil- und Beratungszentren, die in Kalikatar (Makwanpur) und Chhampi (Lalitpur) erstellt wurden. Sie werden von einem neu aufgestellten Projektteam mit mehr als zehn Mitarbeitern sowie durch Sozialarbeiter im Feld betreut. „Von hier können wir rasch auf Notlagen, wie Nahrungsmittel- und andere Versorgungsengpässe, Epidemien, weitere Erdbeben und Erdrutsche reagieren. Notschlafplätze bieten obdachlosen Familien kurzfristigen Unterschlupf“, so Malte Schnitger, der als Projektkoordinator in Nepal für Govinda und Shangrila arbeitet.

Das Wiederaufbauprojekt sieht den Aufbau von 160 Häusern in Lalitpur und Makwanpur mit der geschulten Bevölkerung ab dem Ende der Regenzeit vor. Die Modellhäuser werden mit der Bevölkerung, nepalesischen Ingenieuren und einem Expertenteam von Govinda entwickelt, das bereits über langjährige Bauerfahrung in Nepal verfügt. Sichere Öfen, Erdbebensicherheit, der Einbezug lokaler Ressourcen und ökologische Toiletten sind wichtige Komponenten der Modellhäuser. Interessenten aus der Bevölkerung werden die Baupläne zur Verfügung gestellt.  „Durch die in den Verteil- und Beratungszentren angebotenen Schulungen, sowie die Entwicklung von Modelhäusern erwarten wir einen grossen Multiplikatoren Effekt“, berichtet Umbescheidt.
Zudem bauen Govinda und Shangrila zerstörte Schulen in der abgeschiedenen Region Bharta/ Kalikatar begleitend zum dort laufenden Schulprojekt für 500 Schüler wieder auf sowie vier temporäre Lernsysteme. 11 Angestellte und Jugendliche die ihre Häuser verloren haben, werden seit den ersten Tagen im Rahmen der Nothilfe umfassend unterstützt. Sie erhalten ebenfalls ein neues Haus.

10. Juni 2015 / Wer das Leben eines einzigen Menschen rettet….

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+ Tag 46: Wer das Leben eines einzigen Menschen rettet….+

Sechs Monate ist es her, seit Dharma Raj das Licht der Welt erblickt hat. Er ist das vierte Kind in der Chepang Familie, die in Bharta/ Makwanpur lebt. Seine Eltern Poolmaya und Ramakrishna arbeiten vom frühen Morgen bis in den Abend hinein auf dem kärglichen Reisfeld, um das Leben in der ärmlichen Holzhütte in Makwanpur zu finanzieren. An einem dieser Tage ging Poolmaya wie immer, während das Kind in der Nähe des wärmenden Feuers schlief, der Arbeit vor der Hütte nach. Plötzlich nimmt sie einen unbekannten Geruch und Schreie wahr. Dharma Raj war ins Feuer gefallen und wand sich vor Schmer-zen. Die Eltern versuchen am ersten Tag die Schmerzen zu lindern und die Wunden mit Hausmitteln und lokalen Kräutern zu versorgen.

Über mehr Wissen verfügen sie nicht, sie sind wie 90% der anderen Bewohner in ihrer Gemeinde Analphabeten. Die meisten Chepang haben keine offizielle Staatsbürgerschaft oder eine Geburts-urkunde. Somit können sie auch kein Land besitzen und falls doch einige ein Stück Land bewirt-schaften können, kann die Regierung sie jeder Zeit enteignen. Mehr als 90 Prozent der Chepangs leben unter großer Armut.

Verzweifelt laufen die Eltern in der bergigen Region zum einzigen Gesundheitsposten, der mit dem kleinen Patienten überfordert ist und keine Versorgungsmaterialien bereits stellen kann. Dharma Raj hat aufgrund der Verbrennungen 3. Grades bereits seit einer Woche Schmerzen, und hat sich den gesamten Rücken, den rechten Arm und das rechte Bein im Feuer verbrannt hatte. Aufgrund ihrer Armut und dem Unwissen über die Gefährlichkeit der Brandverletzungen wurde bereits wertvolle Zeit (5 Tage) nicht genutzt, in der Dharma Raj unermesslich leidet und die Gefahr einer Sepsis (Blutvergiftung) sowie von lebensgefährlichen Organschädigungen steigt, da sich Eltern weigern das Kind in ein teures und weit entferntes Spital zu fahren.

Piru seitens der Jugendorganisation SDA zu diesem Zeitpunkt in den umliegenden Dörfern tätig und erfährt von lokalen Lehrern von dem Drama. Sie eilt zum Haus der Eltern und nimmt eine Situations- und Wundeinschätzung vor.

Piru arbeitet hier, da sie nach ihrer Zeit im Shangrila Waisenhaus, erfolgreich im Integrationsprojekt zur Gesundheitsfachkraft ausgebildet wurde und nun in den Gemeindeprojekten von SDA selbst Hand zur Veränderung ihres Heimatlandes anlegen möchte.
Aufgrund der Wundbeurteilung sieht Piru keinerlei Heilungschan-cen vor Ort und sie klärt sofort die Behandlungsmöglichkeiten ab. Sie entscheidet sich für die Behandlung das Sushma Koirala Momorial Hospital in Kathmandu anzufahren.

Das Krankenhaus, ist im Gebiet der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie aktiv. Es besteht seit 1997 und wird von Interplast Germany e.V. finanziert. Unser Verein unterstützte das Krankenhaus im Dezember letzten Jahres den Ausbau eines Operationssaals, eines Röntgengerätes und einer Intensivstation.

Piru will den Vater mit ins Krankenhaus nehmen, der am Treffpunkt nicht erscheint und versucht den Termin zu umgehen. Sie geht erneut in die Dörfer um die Familie zu überzeugen. Der Tag der Abfahrt von Dharma Raj, seinem Vater und Piru ist der 25 April 2015. Sie nennen ihn den schwarzen Tag, wenn sie sich in Nepal an das Datum erinnern. Es ist der Tag, an dem das erste grosse Erdbeben Nepal mit einer Magnitude von 7.8 erschüttert, und der Beginn eines Ausnahmezustands der bis heute durch stetige Nachbeben (heute 3 weitere) die Menschen in Atem hält.
Die Strassen auf dem Weg zum Krankenhaus sind zerklüftet und blockiert. Zudem gibt die Regierung das Verbot lokaler Fahrzeuge bekannt. Piru bucht kurzerhand einen Krankenwagen und ändert die Route nun das Bhatarpur Hospital, Chitwan im Süden Nepals anzufahren. Das staatliche Krankenhaus verweigert die Aufnahme mit der Aussage das Opfer des Erdbebens Vorrang hätten. Piru will nicht aufgeben und ändert erneut die Route, indem sie das private Chitwan Medical College anfährt. Die hohe Frequenz der Nachbeben machen ihr Sorgen und sie muss fünf Stunden Gespräche führen, damit Dharma Raj endlich im Krankenhaus aufgenommen wird. Endlich Hoffnung, endlich Chancen das Dharma Raj überleben wird.

Die Ärzte, Schwestern und Angestellten das Krankenhaus sind in Panik und verlassen bei jedem Nachbeben ihre Stationen. Piru rennt mit Dharma Raj im Arm jedes Mal hinterher. Rückblickend sagt sie “Dharma Raj hat die Welt noch nicht einmal im Ansatz gesehen und muss mehr Stress, Leid und Schmerz wahrnehmen, als manch einer es im ganzen Leben nicht erlebt.”

Die Ärzte intendierten eine Heilungsdauer von 25 Tagen. Es ist wichtig die Ernährung von Mutter und Kinder optimal zu untersützten. Nach 42 Tagen intensiver Behandlung, stetiger Betreuung und nach mehr als 300 Nachbeben kann Piru mit Dharma Raj das Chitwan Medical College verlassen.
Piru und das SDA Team besorgen dem Kind bei einem Zwischenstopp in Bharatpur noch warme Kleidung und begleiten die Familie nach Hause. Die Verabschiedung war für Piru sehr emotional, da sie inmitten der Umstände viel Intimität zu Dharma Raj entwickelt hat. “Es war sehr hart für mich Dharma Raj zu verlassen, und ich hätte gern mehr Zeit mit ihm verbracht, aber er hat seine eigene Welt und muss in diese zurückkehren. Wir werden die Familie durch unsere Gemeindeprojekte mit SDA bestmöglich unterstützen”.

Anmerkungen:
CONCORD, der Verband europäischer NGOs aus dem Bereich der internationalen Entwicklung und der humanitären Hilfe, hat einen „Code of Conduct“ entwickelt, der den richtigen (würdevollen) Umgang mit Bildern und Botschaften regeln soll. Wir richten uns daran aus, und haben daher Bilder auf denen die Wunden von Dharma Raj zu sehen sind, bewusst nicht gezeigt. Da uns die umfangreiche Soforthilfe und das Wiederaufbauprojekt komplett in der Handlungsebene gefordert haben, veröffentlichen wir diesen übersetzten Originalbericht von Piru/ SDA zeitlich versetzt.

Shangrila Development Association (SDA)- wurde im Dezember offiziell gegründet und ist Partner der Govinda Entwicklungshilfe e.V./ Shangrila Entwicklungshilfe/ Schweiz. Mitglieder sind die Jugendlichen der ersten Generation des Shangrila Waisenhauses, die nunmehr nach der Schul-, Studien- und Ausbildungszeit selbst die Entwicklung ihres Landes aktiv mitgestalten werden. Mehr Nachhaltigkeit ist kaum möglich, als gemeinsam mit ihnen in ländlichen Gebieten Nepals die Weichenstellungen für eine bessere Zukunft vorzunehmen. Sie haben gemeinsam mit dem Projektteam in der Soforthilfe nach dem Erdbeben überragende Arbeit geleistet und werden diese im hier vorliegenden Shangri-La Sustainable Local Initiative Project (SSLI) fortsetzen.

11. Juni / Nachbeben und Erdrutsche nach Regenfällen

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+ Tag 47: +Nachbeben und Erdrutsche nach Regenfällen+

Nepal kommt weiterhin nicht zur Ruhe. Heute wurden wieder drei Nachbeben registriert deren Magnitude höher als die der letzten Tage waren. Der neue Flash Appeal der UN spricht von tausenden Nachbeben die seit dem 25.04 stattfanden, 8,659 Menschen die ihr Leben verloren haben, 500000 Menschen ohne Dach über dem Kopf und 1.5 Millionen Kindern ohne Schulbildung.

In den Projektdistrikten in denen wir den Wiederaufbau vornehmen wird die Anzahl zerstörter Häuser mit 33732 (45%) – Makwanpur und 18936 (87%)- Lalitpur angegeben. Das Funding für das geforderte Budget von 422 Millionen US Dollar um 2.8 Millionen Menschen in der Notsituation zu helfen stagniert weiterhin bei erschütternden 28%.

Obwohl der Monsun noch nicht eingetroffen ist und eine ganz andere Intensität mit sich bringen wird, reichten heftigen Regenfälle (130 mm/24h) und nachfolgende Erdrusche aus, um dutzende Häuser in sechs Dörfern (in Taplejung) zu verschütten. 21 Menschen verloren ihr Leben und 10 weitere werden vermisst. Evakuierungen wurden eingeleitet.

Auch der Menschenhandel steigt weiter an. Angaben zur Folge betrifft werden jedes Jahr 15‘000 Mädchen/ junge Frauen nach Indien verschleppt. Das Funding der UN im zugehörigen Cluster Protection beträgt gerade einmal 36%.

Unsere Partnerorganization Shangrila, organisierte erneut das Projekt H4H in Pakhardovan VDC 2, Sindupalchok district. Das Dorf hatte vor den Erdbeben 62 Häuser. Nur zwei Häuser stehen noch, währen der Rest in Trümmern liegt.

Schwerpunkt war des Teams (zwei Ärzte, Krankenschwestern und 10 Volontäre) waren Gesundheits- Checkups, Wasserfilter und Medikamente für die 75 Kinder und 67 Frauen des Dorfes. Bei den Kindern wurden meist Atemwegsinfektion, Erkältung, Augeninfektionen und Husten diagnostiziert, während bei den Frauen akute Gastritis überwog.

Shangrila organisierte den Transport des Teams und Medikamente. Sie entstammen wurden seitens der Kooperation von Sitftung Usthi, Govinda und Shangrila finanziert. Das Parkland Hospital, aus Dallas,/Texas stellte weitere Medikamente bereit und die Organisation Sumi Serchan organisierte die Schultaschen, T-Shirts und Wasserfilter für Kinder.

Es ist unglaublich, welche Intensität und Dauer die Notlage der Menschen Nepals inmitten der Nachbeben bereits jetzt angenommen hat und scheinbar ohne Übergang in den Monsun noch nehmen wird.

Wir danken unseren Teams für die bewundernswerte und unermüdliche Arbeit, die sie inmitten dieser Situation leisten.

3. Juni / Bildung – Wege – Gesundheitscamp

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+ Tag 39: Bildung – Wege – Gesundheitscamp +

Inmitten der instabilen Lage haben diejenigen Schulen Nepals vor wenigen Tagen wieder geöffnet, die aufgrund unbeschädigter Räume oder durch den Aufbau von temporären Systemen einen Unterricht gewährleisten können. Ein bewegender, emotionaler Moment für das ganze Land und unsere Schul- und Waisenkinder, den Weg zur Shangrila International School und den bislang 11 weiteren in Nepal erbauten Schulen erstmals wieder zu gehen.
Wege vorbei an Ruinen von Häusern…., stumme Zeugen die daran erinnern, dass seit dem 25.04 vieles nicht mehr so ist wie es einst war. Wege die nicht mehr existieren….., wie beispielsweise in Langtang das komplett verwüstet wurde und nicht mehr bewohnbar ist. Die Heimatregion eines unserer ältesten Schützlinge der ersten Generation im Shangrila Waisenhaus.
1.5 Millionen Kinder des Landes haben das Privileg einer Schulbildung laut den aktuellsten Daten der UN nicht. 1 Prozent bzw. 13700 Kinder wurden beim intendierten Bildungsziel von 1 Million unterstützter Kinder seitens der UN bislang erreicht. Die Anstrengungen Nepals und der NGOs, haben über viele Jahre hinweg zu einer Einschulungsrate von 98 % geführt. Das dieser nachhaltige Erfolg Bestand haben wird, ist nun in akuter Gefahr. Unsere Jugendorganisation SDA arbeitet intensiv in ihrer Projektregion, damit die Schulbildung und ein warmes Essen für 300 Kinder, sowie der Aufbau von zerstörten Schulen und temporären Lernsystemen umgesetzt werden kann.
Mit einer Finanzierung von gerade einmal 28% der notwendigen Gelder durch die internationale Gemeinschaft , sieht es in den anderen Bereichen/ Clustern (Schutz von Frauen und Kindern, Camp Koordination, Ernährung, Wasser, Sanitärwesen und Hygiene, Unterkünften und Gesundheit) ernüchternd aus. Der Fokus liegt bei der UN, wie in unserem Wiederaufbauprojekt auf dem in Kürze eintreffenden Monsun und den zu erwartenden Folgen für die notleidenden Menschen Nepals.

Im Waisenhaus arbeitet das Team weiterhin am Aufbau von Routinen, die leider auch heute durch mehrere Nachbeben gestört wurde. Ein Kinderpsychologe unterstützt das Team. Da die Kinder aufgrund der Nachbeben weiterhin nicht im Waisenhaus schlafen können, bauen wir eine zusätzliche und dauerhaft nutzbare Unterkunft. Sie wird auch zu einem späteren Zeitraum für die Aktivitäten im Waisenhaus multifunktional nutzbar sein.

Das Soforthilfeteam von Shangrila organisierte gestern mit 9 Ärzten (Pädiater, Zahnärzte und Allgemeinärzte), vier Krankenschwestern und fünfzehn Volontären als Initiative H4H (Help for Health) im Bhaatedanda, Kavrepalanchok Distrikt die medizinische Versorgung und Trainings von 89 Kindern (50 Mädchen; 39 Jungen and 5 Babies). Die diagnostizierten medizinischen Probleme waren vorwiegend Unterernährung, Asthma, Erkältungen, Zahnprobleme und Fieber . Entsprechende Nahrungsmittel und Medikamente wurden verordnet und Kinder mit Wachstumsproblemen an Spezialisten vermittelt. Die lokale Partnerorganisation Change Fusion Nepal und Menschen aus der Region unterstützten die Durchführung des Gesundheitscamps.

Das Wiederaufbauprojekt SRDP, dass überlappend zu den Aktivitäten der Soforthilfe startete, arbeitet intensiv an fundierten Unterstützungsstrukturen für die Menschen in den nächsten Monaten. Fundierte Datenassessments, Nothilfezentren, verbesserte Notunterkünfte für die Monsunzeit und detaillierte Planungen für den Bau von erdbebensicheren Häuser sind Bestandteil der täglichen Arbeit des Teams. Die Arbeit findet wie in der Soforthilfe, in Vernetzung mit internationalen Teams, Bot- schaften und Unterstützungsteams aus Deutschland und der Schweiz statt. Getragen wird das Projekt durch ein gemeinsames Board von Shangrila orphanage, Shangrila Development Association, Govinda, Stiftung Usthi und Shangrila Schweiz.

Wir bewundern die Teams für ihr Durchhaltevermögen, dass sie nach 5.5 Wochen mit hunderten Nachbeben, der umfangreichen Soforthilfe und in einem stetigen wandelnden, herausfordernden Umfeld weiterhin zeigen. Die Zeit von wenigstens ein paar Tagen ohne Nachbeben, bevor der Monsun eintrifft, scheint Ihnen, den Menschen des Landes und uns weiterhin nicht vergönnt zu sein.
Namaste.

31. Mai / Wie lange noch?

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+ Tag 36: Wie lange noch ? +

Wie anfangen zu schreiben, an einem Tag, wo wir ein weiteres Mal die Hoffnung hatten, dass für die Menschen, unsere Teams in Nepal und die Krisenteams in D/CH wenigstens für einen einzigen Tag Ruhe einkehrt. Nur ein einziger Tag der ein Durchatmen zulässt, der ein sich selbst ordnen nach 5 Wochen mal erlaubt, der einem selbst – wenn auch nur für Momente- ein Scheingefühl von etwas gibt, dass wir so oft im Alltag nicht schätzen/ wahrnehmen: sich sicher und geborgen fühlen.
Sicherheit, was ist das angesichts eines vibrierenden Bodens unter den Füssen, einer Erde die schon mehr als dreihundert Mal seit dem 25.04 bebte. 6 registrierte Nachbeben allein an jedem der letzten 2 Tage. Heute Nachmittag wurde das Hoffen auf den ersten erdbebenfreien Tag zerstört. In die täglichen Gespräche der Krisenstäbe mit Nepal hinein kamen zwei weitere spürbare Nachbeben, dass Menschen aus den Häusern rennen lies und beunruhigte. Die Dauer der Naturkatastrophe, inmitten der die Menschen und Notfallteams sind und ihre Intensität sucht ihresgleichen. Damit nicht genug, mit jedem Tag verringert sich die Chance eines nachbebenfreien Tages, vor dem in Kürze eintreffenden Monsun. Er wird bis Mitte September eine Reihe weiterer Probleme mit sich bringen und kann die instabile Situation weiter verschärfen. Stürme die noch stärker auf die Menschen in den dürftigen Notbehausungen einwirken als die letzten Tage schon, Erdrutsche, blockierte Strassen, die Gefahr von Epidemien, Engpässe in der Versorgung mit Nahrungs- und Wiederaufbaumitteln. Die Situation am Mietmarkt ist dramatisch. Schamlos wird mit drastisch steigenden Mietpreisen die Situation ausgenutzt, dass viele internationale Spezialisten ein Heim suchen. Es wird nicht davor halt gemacht Familien die bereits in Miete leben zeitnah zu kündigen. Die Suche nach neuen Wohnungen endet in einem Wettbieten.
Ein Funding von 24% der von der UN geforderten 423 Millionen USD an internationalen Hilfsgeldern ist eine weitere traurige, erschütternde und inakzeptable Bilanz nach 5 Wochen. Nebst dem sinkenden Interesse der Medien verlassen einige Hilfsteams bereits das Land.

Satelliten der Esa zeigen auf wie stark die Kräfte und gleichsam Gefahren in Nepal wirken. So hat sich der Boden im Norden von Kathmandu um bis zu zwei Meter gehoben. Die Höheren Berge im Norden sind um dutzende Zentimer gesunken. Es gibt Ortschaften die um fünf Meter verrutscht sind, das ganze Land um mehr als drei Meter.Was hält ein Mensch unter diesen Bedingungen aus, auch wenn er Unsicherheiten seit der Geburt in viel grösserem Masse erfahren hat, als es sich die westliche Welt in der die stetige Absicherung im Vordergrund steht wohl jeh vorstellen kann. Wann endlich sinkt die Intensität dessen, was den Menschen Nepals auferlegt wird?

Ein Grossteil unseres Wiederaufbauteams war die letzten drei Tage in Südnepal im Distrikt Makwanpur um für die Nothilfe in Phase 2 konkrete Schritte vorzubereiten und für den Wiederaufbau noch konkreter Daten zu erheben, da hier ein Teil der insgesamt 300 zerstörten Häuser in beiden Projektgebieten lokalisiert ist. Geeignete Plätze für die Nothilfezentren in Phase 2, in denen wir die Unterstützung fokussierter als in den ersten 4 Wochen gestalten werden, wurden überprüft. Die Reise war schon jetzt, kurz vor dem Monsun beschwerlich, da die Strasse an einigen Stellen nicht mehr passierbar war und der Bus bei den Flussdurchfahrten bis in die Kabine hinein geflutet wurde. Das am Abend stattfindende Nachbeben lag mit seinem Epizentrum auf diesem Weg, nahe an der Projektregion der Jugendorganisation.

Im Waisenhaus schlafen die Kinder weiter in der Notunterkunft. Wir arbeiten intensiviert an einem Ausbau der Notunterkunft in eine witterungsbeständige, dauerhafte und erdbebensichere Variante. Der Zeitraum des Wartens und das Eintreffen des Monsuns, bedingt wie vieles seit Wochen eine weitere flexible und absichernde Lösung. Wie vor einigen Tagen geschrieben liebe Leserinnen ist es weiterhin ein weiter Weg den wir gehen müssen und werden. Danke für Eure bisherige Unterstützung in der Soforthilfe. Wir werden den Menschen Nepals inmitten dieser Umstände weiterhin verlässlich, umfassend und flexibel zur Seite stehen.

Namaste.

21. Mai / Nachbeben und Umbrüche

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+ Tag 26: Nachbeben und Umbrüche +

Ein Nachbeben der Stärke 4, dass in unmittelbarer Nähe südlich von Kathmandu lokalisiert war, riss gestern die Kinder und das Team ein weiteres Mal aus dem stetigen Versuch heraus, endlich Normalität einkehren lassen zu können. Allein heute wurden wieder 4 Nachbeben registriert und es fühlt sich unendlich an bis die Kollision der eurasischen und indischen Platte den Menschen in Nepal endlich eine Atem- pause gönnt. Barbara und Frauke, die uns sehr fehlen werden und die bereits ihre Zeit in Nepal verlängerten, reisen nun aus dem Waisenhaus ab. Sie haben überwältigende Arbeit geleistet und uns geholfen die Projekte in der schwierigen Zeit zu stabilisieren, Abläufe in der Betreuung der Kinder zu optimieren, Herzblut eingebracht und auf den Hilfslieferungen im ganzen Land teil- genommen. Ihr fehlt uns schon jetzt. Danke für all das was ihr geleistet habt.
Die Schule geht voraussichtlich am 01.06. los. Das Lehrerteam der Shangrila International School steht vor grossen Herausforder-ungen, um den nationalen Bildungsplan in einem Land zu erfüllen, in dem 950000 Kinder ohne Schuldach über dem Kopf einer ungewissen Schulsaison entgegenblicken. Auch in der Region Chapagaon sind viele Schulen dem Erdbeben zum Opfer gefallen und regionale Planungsmeetings fanden statt. Es sind äusserst schwierige Bedingungen vorhanden, um das Millenium Development Goal „Universal Primary Education“ zu erfüllen.

Die Notfallteams haben ein weiteres Mal hervorragende Arbeit für die notleidende Bevölkerung geleistet. Das erste Team hat trotz Erdrutschen und unpassierbaren Strassen in Sindhupalchock (Chautara) 182 Familien unterstützt. Das zweite Team fuhr nach Dolakha (Sunkhani). Nach achtstündiger Anfahrt konnten 140 Haushalte unterstützt werden. Die Region Dhading (Aaginchok) wurde bereits das dritte Mal durch ein drittes Team unterstützt. Nach achtstündiger Anfahrt konnten wir an Menschen aus 50 Haushalte Planen, Seilen und Decken übergeben. In Ramechhap (Gimbdi) war ein viertes Team der Jugendorganisation SDA zwei Tage lang unterwegs. 129 Haushalte erhielten erstmals Unterstüt-zung seit dem Erdbeben am 25.04.15. Auch in Gutikhel -9 (Sisawan) wurden 141 Haushalte der Tamang Familien umfang- reich unterstützt. Insgesamt wurden 642 Zelte, 546 Decken, 45 Säcke Reis, 496 Packungen Milchpulver und 2.6 Tonnen weiterer Nahrungsmittel an 642 Haushalte verteilt.

Das Team des Shangrila Reconstruction Development Projekts arbeitet intensiv Strukturen für den Wiederaufbau aus. Neben vielen anderen Arbeiten werden professionelle Assessments in den Projektregionen vorgenommen in denen das Projekt startet. Dies ist nötig um die Unterstützungsstrukturen koordiniert, effizient und nah an den Bedürfnissen der Menschen zu gestalten, und um inmitten instabiler Verhältnisse auch weiterhin flexibel und zügig handeln zu können.