14. Mai / Vergangenheit und Zukunft

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++ Tag 19: Vergangenheit und Zukunft ++
Gerade sitzen wir, wie es seit vielen Jahren Tradition ist, im hintern, sicheren Teil des Waisenhausareals. Die Kindergesichter werden vom Lagerfeuer beleuchtet und manche tanzen um das Feuer. Roman, der unser Team seit dem dritten Tag des ersten Erdbebens in Nepal unglaublich stark unterstützt und koordinierte, spielt seine typische Nepalibluesmischung auf der Gitarre, die alle fröhlich mitsingen. Erste Minuten befreiten Lachens, erste Anzeichen von Freude und viel Dankbarkeit die zum Ausdruck kommt. Wichtig dies wahrnehmen zu können nach weiteren zwei Nächten in Zelten nach dem zweiten Erdbeben. Schön den Zusammenhalt zu spüren, den die Menschen hier und an vielen Orten im ganzen Land entwickelt haben.

Erleichtert stellen wir fest, dass keines unserer Schulkinder, nach jetzigem Stand der Erfassung, sein Leben verloren hat. Leider ist die Zahl der zerstörten Häuser ihrer Familien weiterhin gestiegen. Von 232 Häusern sind nur 58 in gutem Zustand. Das gleiche Bild zeigt sich im Distrikt Makwanpur, in dem unsere Jugendorganisation tätig ist.

Das Notfallteam hat weiterhin inmitten der instabilen Situation hervorragende Arbeit geleistet. Insgesamt wurde Soforthilfe in 10 der 12 am meisten betroffenen Distrikte für mehr als 5000 Familien in 29 Dörfern geleistet. Gestern waren wir ein weiteres mal nach der ersten Hilfslieferung in Sindhupalchok und konnten 500 Familien Nahrung und Zelte bringen. Die Menschen des Distriktes wurden durch das zweite Erdbeben ein weiteres Mal schwer erschüttert. Bei der gestrigen Lieferung fokussierten wir wieder ein Dorf, das keinerlei internationale Hilfeleistung erhalten hatte. Erschreckend, dass wir in einem der am schwersten betroffenen Distrikte den ganzen Tag kein einziges Fahrzeug von Hilfsorganisationen auf den leeren Strassen angetroffen haben. Wir verteilten 116 Zelte, 2.9 Tonnen Reis, 242 KG Linsen, 580 KG Beaten Rice, 232 Liter ÖL sowie Salz und weitere Nahrungsmittel. Hierdurch haben die Familien eine grundlegende erste Unterkunft, Nahrungsmittel für 15 Tage und eine wichtige Entlastung vor der bevorstehenden und langen Monsunzeit, in der neue Herausforderungen auf Nepal zukommen. Spannend war der Austausch mit unserer hier koope-Zukrierenden NGO Shakti Samuha, die Frauen vor der Prostitution aktiv rettet und Rückkehrerinnen unterstützt.

Intensiviert und parallel zur weiterhin laufenden Soforthilfe wurde das gemeinsame Wiederaufbauprojekt mit den involvierten Notfallteams aus vier Ländern (Shangrila Orphanage/ Shangrila Development Assocation/ Govinda-Deutschland/ Stiftung Usthi- Schweiz und Shangrila – Schweiz) in einer ersten Struktur entwickelt. Die nächsten Tage werden von intensiven Ausarbeitungen geprägt sein, insofern es die Erde zulässt. Wir werden die Projektschwerpunkte des gemeinsamen Kooperationsprojektes „Shangrila Reconstruction and Development Project“ laufend an die Entwicklungen in Nepal anpassen, um den seit 20 Tagen unter stetiger Ungewissheit lebenden Menschen Nepals effektive, adäquate und grösstmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.

Wir sind dankbar dafür, dass wir in Zusammenarbeit mit der Stiftung Usthi hinsichtlich der Soforthilfe & dem Wiederaufbau echtes Networking und eine derart vertrauensvolle Zusammenarbeit erleben dürfen. Sie ist von jahrelangem Vertrauen, Transparenz und vielen gemeinsamen Ansätzen geprägt.